Farbhofstrasse, Zürich
Städtebau – Leitgedanken und Haltung
Ausgehend von einer sorgfältigen Analyse der bestehenden Quartierstrukturen entwickelt der Entwurf eine städtebauliche Antwort, die Alt und Neu bewusst miteinander verwebt. Das Areal vermittelt zwischen der historisch gewachsenen Siedlung Farbhof im Norden und der grossmassstäblichen Genossenschaftssiedlung im Stückler im Süden. Es entsteht ein räumliches Kontinuum, das bestehende Körnung, Typologien und Freiraumsequenzen aufnimmt und zu einem neuen, robusten Stadtbaustein formt.
Zentrales Motiv ist das Weiterschreiben des charakteristischen Freispiels zum Gleisfeld, wie es bereits in der Siedlung Farbhof vorgedacht wurde. Die neuen Baukörper greifen diese Idee auf, rücken bewusst vom Gleisfeld zurück und schaffen dadurch Sequenzen von Freiraumtaschen unterschiedlicher Atmosphären – vom urbanen Platzraum bis hin zu durchgrünten Hof- und Gartenbereichen. Der Freiraum wird nicht als verbleibende Restfläche verstanden, sondern als organisierendes Prinzip der städtebaulichen Komposition: Er bildet den Dialograum zwischen Nord und Süd, zwischen Bestand und Neubau.
Die historische Farbhofstrasse wird als verbindendes Rückgrat gestärkt, räumlich gefasst und zugleich subtil geöffnet. Die zueinander versetzten Bauten erzeugen ein Spiel aus Enge und Weite, klarer Adresse und räumlicher Durchlässigkeit – ein Strassenraum, der atmet. Sichtbezüge, diagonale Wegebeziehungen und punktuelle Aufweitungen stärken die Lesbarkeit dieser Achse über das gesamte Areal hinweg.
Trotz verschiedener Gebäudetypologien bleibt das Konzept über Nord und Süd hinweg ablesbar: durch die räumliche Sequenzierung, die Haltung zum Gleisraum und die kontrollierte Staffelung der Volumen.
Freiraum, Landschaft und Mikroklima
Der Freiraum fungiert als strukturelles und klimatisch wirksamen Rückgrat des gesamten Areals. Er bildet das verbindende Element zwischen Nord und Süd, zwischen Gleisraum, Farbhofstrasse und dem umliegenden Quartiergefüge. Es entstehen Sequenzen differenzierter Freiräume - Höfe, Wege und wilde Gartenbereiche, die sich als feines Netzwerk durch das Areal ziehen und unterschiedlichste atmosphärische Situationen erzeugen: von öffentlich über gemeinschaftlich zu privat.
Die Höfe im Süden sind grosszügig geöffnet und bewusst nach Süden, zur Sonne hinorientiert. Sie erhalten viel Tageslicht, bieten weite Ausblicke und gewährleisten eine natürliche Durchlüftung des Ensembles. In ihrer räumlichen Tiefe entwickeln die Zwischenräume ein differenziertes Mikroklima: baumbestandene Bereiche wechseln sich ab mit offenen, sonnigen Flächen, Sitzbereichen und ruhigen Gartenräumen. Diese Freiraumfigur schafft nicht nur hohe Aufenthaltsqualität, sondern übernimmt auch eine zentrale Funktion im klimatischen Konzept, indem sie natürliche Luftbewegung unterstützt und der Entstehung von Wärmeinseln entgegenwirkt.
Entlang der Gleispromenade entsteht ein lineares Landschaftsband, das als klimatisch wirksamer Grünraum fungiert. Es verbindet Nord und Süd und verwandelt den Gleisraum von einer Grenze in den landschaftlichen Rücken des neuen Quartiers. Sowohl im Gleisraum wie auch in den angrenzenden Gärten werden Massnahmen zur Retention und Versickerung von Regenwasser nach dem Prinzip der Schwammstadt verortet. Flache Mulden, begrünte Kiesflächen und Retentionsflächen übernehmen eine doppelte Funktion: Sie unterstützen die Regenwasserbewirtschaftung und prägen gleichzeitig das landschaftliche Erscheinungsbild des Quartierbands. Auf diese Weise entsteht eine grüne, atmende Kante zwischen bebautem Raum und Gleisfeld.
Die historische Farbhofstrasse bleibt als verbindendes Element lesbar und wird durch Baumpflanzungen, Versickerungsflächen und Aufenthaltszonen zu einem wohnlichen Strassenraum transformiert.
Sämtliche Aussenräume tragen zur klimatischen Leistungsfähigkeit des Projekts bei
• Tiefgründige Baumstandorte sichern langfristig wirksame Verschattung durch gesunde Bäume.
• Wasserretentionsflächen wirken kühlend und schaffen Lebensräume.
• Fassaden- und Dachbegrünungen dämpfen Aufheizung, verbessern die Luftqualität und schaffen einen ökologische Vernetzung.
• Die gestaffelte Volumetrie fördert natürliche Windbewegungen und unterstütz die Durchlüftung des Areals.
• So entsteht ein Freiraumsystem, das sozial, räumlich und klimatisch leistungsfähig ist –ein gestalteter Landschafts- und Lebensraum mit Identität und spürbarer Wirkung.
Projektangaben
Studienauftrag: 2025 - 2026, 1. Rang
Auftraggeberschaft: AXA Leben AG
Architektur: MAK architecture, Zürich